Autor: Stefan Schill, erstellt am 21. und 24. Januar 2001 (Schill.Stefan@t-online.de)

Wozu gibt es Abschreibungen?

Die Definition von Abschreibung* hat jeder schon mal gehört, die Gründe dafür, daß es Abschreibungen gibt, sind jedoch nur wenigen bekannt und keineswegs unumstritten.

  1. damit sich die Arbeitnehmer ihr Werkzeug nicht selbst kaufen müssen
      pro: Der Staat (das Finanzamt) erstattet dem Unternehmen den gesamten Kaufpreis für Maschinen und sonstige Produktionsanlagen in Form von Steuernachlässen zurück.
      contra: In vielen 'Saftläden' ist obige Praxis bis heute verbreitet.
  2. damit die potentiellen Aktionäre wissen, wie wertvoll die Aktiengesellschaft ihrer Wahl ist
      pro: Es ist viel zu kompliziert für einen Außenstehenden, die Bilanz einer Aktiengesellschaft zu durchschauen. Abschreibungen erhöhen die Glaubwürdigkeit der dargebotenen Zahlen (Betriebsvermögen).
      contra: Der Wert eines Maschinenparks hängt letztendlich vom konkreten Einsatz (also vom Bedienenkönnen und von der Originalität des Produktionsablaufes) ab. Selbst der technische Fortschritt macht immer nur dann die Anschaffung neuer Maschinen notwendig, wenn diese tatsächlich neue Standards beherrschen.
  3. damit die Wirtschaft legal subventioniert werden kann
      pro: Je härter der Konkurrenzkampf (Globalisierung), desto dringender muss der Staat der Wirtschaft helfen.
      contra: Das Ganze macht nur für Kleinunternehmen Sinn. Großunternehmen stellen eine Gefahr für die demokratische Ordnung dar, da sie mit zunehmender Größe einen Staat im Staate bilden.
  4. damit hohe Löhne gezahlt werden können
      pro: Abschreibungen verbilligen den Einsatz von Maschinen und erhöhen damit die Produktivität.
      contra: Abschreibungen kosten den Staat Geld, die er sich in Form von Lohnnebenkosten wieder zurückholt. Im Zweifelsfall Mensch oder Maschine wird sich der Unternehmer so eher für die Maschine als für den Menschen entscheiden.
  5. damit Arbeitsplätze geschaffen werden
      pro: Nur der Unternehmer weiss, ob es für ihn rentabel wäre, wenn in seinem Unternehmen Arbeitsplätze geschaffen würden.
      contra: Arbeitsplätze entstehen durch das, was der Gesellschaft nützt (historisch Überliefertes, Massenproduktion, Optimierung der Produktion, Umwelt, Soziales, Recht, Wissenschaft, Kunst). Der Staat hat die Aufgabe, durch Steuern, Grenzwerte und Verbote das Verhalten der Unternehmer zu lenken.
  6. damit das Geld in Bewegung bleibt
      pro: Wenn der Arbeitgeber investiert, gerät bisher totes Kapital in Umlauf.
      contra: Wenn der Arbeitnehmer konsumiert, gerät dasselbe Kapital in Umlauf.
  7. damit die Freie Marktwirtschaft gedeiht
      pro: Jeder, der eine Idee hat, egal ob arm oder reich, kann Unternehmer werden.
      contra: Wem es gelingt, seine privaten Ausgaben abzuschreiben, lebt auf Kosten anderer.

* "Verfahren im Rechnungswesen zur Erfassung der Wertherabsetzung abnutzbarer Gegenstände des Anlagevermögens. Die Abschreibungsbeträge sind Aufwandsposten in der Erfolgsrechnung des Unternehmens und verteilen somit die Anschaffungs- oder Herstellungskosten periodengerecht auf die Nutzungsjahre des Anlagengegenstandes."

Literatur:
WOLL, A.(?): Wirtschaftslexikon.- 8. Auflage.