Woran orientiert sich das Mittelmaß?

    Autor: Stefan Schill, erstellt am 6. April 2003 (Schill.Stefan@t-online.de)

Das Mittelmaß orientiert sich an der Führung. 1. Naive Geister folgen einem vorgegebenen Pfad bis ins Verderben. 2. Clevere Geister suchen nach einem vorhandenen Ausweg, wenn der Erfolg ausbleibt. 3. Intelligente Geister überlegen sich, welche Tugenden neue Wege schaffen. Das Mittelmaß orientiert sich an der Kunst. 1. Naive Geister verwechseln Kunst und Realität. 2. Clevere Geister erkennen, daß es sich bei Kunst um Fiktion handelt, verstehen aber den Sinn falsch. 3. Intelligente Geister schätzen die Kunst, weil sie Sachverhalte so plausibel macht, daß jeder eine anschauliche Vorstellung davon bekommt. Das Mittelmaß orientiert sich an der Kommunikation. 1. Naive Geister fallen auf Schauspieler herein. 2. Clevere Geister nutzen ihr schauspielerisches Talent für ein pseudointellektuelles Imponiergehabe. 3. Intelligente Geister reden in Gleichnissen, die selbst Kinder verstehen. Das Mittelmaß orientiert sich am Umgang. 1. Naive Geister sind emotional. 2. Clevere Geister sind aggressiv. 3. Intelligente Geister sind friedfertig.

Von eitelen Spizfindigkeiten

    Autor: Michel de Montaigne (1533 - 1592) Essais: 1. Buch, LIV. Hauptstück

Aus einfältigen, nicht so gar neugierigen und nicht so gar gelehrten Seelen werden gute Christen, die aus Ehrfurcht und Gehorsam einfältig glauben, und den Gesetzen folgen. Mittelmäßig muntere und mittelmäßig fähige Geister fallen leicht in Irrthum. Sie folgen der ersten Meynung auf die sie fallen; und haben einigen Vorwand, uns für einfältig und tumm zu halten, weil wir bey dem Alten bleiben, weil wir nicht studiret haben. Die großen Geister, welche gesetzter und erleuchteter sind, machen eine andere Gattung von Rechtgläubigen aus. Sie gelangen durch eine lange und ehrerbietige Untersuchung endlich zu einer größeren und tiefern Einsicht in die Schrift, und erkennen das göttliche Geheimnis ... Die einfältigen Bauern sind ehrliche Leute und die Philosophen sind auch ehrliche Leute, oder wie man sie jetzo nennet, starke und erleuchtete Geister, die sich durch einen ausführlichen Unterricht mit nützlichen Wissenschaften bereichert haben. Diejenigen aber, so zur Mittelgattung gehören, denen der erste Platz der völligen Unwissenheit in den Wissenschaften zu schlecht gewesen ist, und sie dennoch den anderen nicht haben erreichen können, (sondern zwischen zween Stühlen sitzen, unter welche ich und so viele andere gehören) diese, sage ich, sind gefährlich, ungeschickt, beschwerlich. Diese verwirren die Welt.
MONTAIGNE zitiert aus (Band 1, Seite 616f): Michaels Herrn von Montagne Versuche, nebst des Verfassers Leben, nach der neuesten Ausgabe des Herrn Peter Coste ins Deutsche übersetzt von Johann Daniel Tietz.- Neuauflage 1992 in 3 Bänden. Zürich, Diogenes Verlag.