Autor: Stefan Schill, erstellt am 11. November 2003 (Schill.Stefan@t-online.de)

Theorie der Ökologischen Marktwirtschaft

Es gibt mehr Arbeit als Menschen. Die Aufgabe der Regierung besteht darin, diese Arbeit rentabel zu machen. Hierzu hat sie verschiedene Möglichkeiten (Ge-/Verbote, Anreize oder Abschreckung)

Steuern sind Lenkräder. Sie sollen rentable Arbeit in gesellschaftlich sinnvollen Bereichen ermöglichen. (Darüber, was sinnvoll und was sinnlos ist, entscheiden die Wähler.) Erst in zweiter Linie finanzieren Steuern das Gemeinwesen.

Es wird immer darum gehen, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, daß aus der Vielzahl von Menschen und Unternehmen in einem Land genügend viele die von der Politik gestellten Aufgaben und Visionen meistern. Gesellschaftlich sinnvolle, jedoch nicht privatisierbare Bereiche können sich nur dort halten, wo intangible Wirkungen (Kosten und Nutzen) weiterbestehen.

Um zu wissen, welche Bereiche für eine Gesellschaft sinnvoll sind, ist es notwendig, sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen. Denn alles, was erforscht wurde, kann in Arbeit umgesetzt werden. Leider Gottes besteht gegenwärtig gerade hier großer Nachholbedarf.

Symptomatisch für das wirtschaftspolitische Stochern im Nebel ist die Theorie der Wirtschaftssektoren (auf einen primären Sektor folgt ein sekundärer und abschließend ein tertiärer Sektor). Im Klartext heisst das, daß sich eine ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Volkswirtschaft über die Textil- und Schwerindustrie zum verarbeitenden Gewerbe und letztlich zu den Dienstleistungen weiterentwickeln wird.

Das eben skiziierte Szenario ist zwar statistisch nachweisbar, lässt sich aber zwingend über das basic-nonbasic Modell erklären: Eine Industrienation exportiert viele Güter und erzielt so einen Exportüberschuß (Exportweltmeister). Als Gegenleistung fließt viel Geld in die nationale Kasse (Löhne, Steuereinnahmen) und heizt so via Konsum einen von diesem Geld abhängigen Sektor an.

Nicht wirklich besser ist die Theorie der Phasen der Industrialisierung (auf die erste Phase der Energiegewinnung folgt die zweite des qualifizierten Arbeitens und endlich die dritte des Informationsmanagementes). Im Klartext heisst das, daß eine mit Sonnenenergie arbeitende Volkswirtschaft die Industrialisierung erst durch fossile Brennstoffe, dann mit Finger-/Maschinenfertigkeit, zuletzt durch weltweite Informationsbeschaffung ankurbeln wird.

Was hier mit hineinspielt, ist die Geschichte der Erfindungen. Jede Zeit hat ihre wichtigen Errungenschaften (Basisinnovationen). Die Orte, an denen diese fabriziert werden, sind fein raus.

Was beiden Theorien jedoch vollkommen abgeht, ist die Frage nach dem DANACH. Dagegen müsste eine Theorie, die erklärt, was eine Volkswirtschaft mit der Scholle anstellt, die Frage nach dem Danach erklären können, zumal der Mensch als Säugetier und als zoon politikon auf eine bestimmte natürliche und soziale Umwelt angewiesen ist.

Beginnen wir mit der politischen Theorie (erst Frühkapitalismus, dann Zuckerbrot und Peitsche, danach Soziale Marktwirtschaft). Im Klartext heisst das, daß die Industrialisierung mit Kinderarbeit und einer Zweiklassengesellschaft beginnt, daß dann die schlimmsten sozialen Mißstände beseitigt werden, während der Obrigkeitsstaat zunächst bestehen bleibt, um danach von einen sozialen Rechtsstaat auf demokratischen Boden abgelöst zu werden.
Für das Danach bedarf es einer neuen Wirtschaftsform. (Ist man geneigt, 'Planwirtschaft' als Antwort zu sagen, so hat man zwar alle Wirtschaftsformen aufgelistet, verzichtet aber bewusst auf die Intelligenz frei wirtschaftender Mitbürger.)

Das Danach bekommt man, wenn man sich überlegt, warum es gerade in den weitestentwickelten Industriestaaten so viele arbeitslose Menschen gibt. Das liegt natürlich zum Teil daran, daß die Dienstleistungen nur einen Bruchteil der im sekundären Bereichen verloren gegangenen Beschäftigungsverhältnisse auffangen können. Der entscheidende Grund ist jedoch ein anderer. Zum einen haben die Politiker verschlafen, die derzeitige Schlüßeltechnologie (Computer & Co) auf deutschen Boden zu holen. Zum anderen ist etwas, das bisher stillschweigend als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, so selten geworden, daß es tatsächlich gesellschaftlich sinnvoll ist, dessen letzten Rückzugsgebiete vor weiterer Industrialisierung zu schützen. Jedes mehr an Wirtschaft würde hier mehr schaden als nützen. Entweder ist kein Platz mehr da für neue Baugebiete oder die altindustrialisierten Regionen müssen erst mit ihren Altlasten (Infrastruktur, Brachen, Gewerbemischgebiete) klarkommen.

Aber nicht nur die natürliche Umwelt ist durch die Industrialisierung in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch die kulturelle Umwelt funktioniert nicht mehr richtig.* Als Konsequenz sterben die hochindustrialisierten Völker aus (die Geburtenrate sinkt unter die Sterberate). Sogar die ansässigen Unternehmen stellen überalterte Produkte her und versuchen ständig, um ihr Überleben als Aktiengesellschaft zu sichern, vom Staat Zugeständnisse zu erpressen (Steuersenkung).

    * Die Nachkriegszeit ging spätestens mit dem ersten Golfkrieg zu Ende. Die Generation, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut hat, ist in den Ruhestand getreten. Der heutigen Jugend bleiben ähnliche Leistungen verwehrt. Wer nicht einem Anforderungsprofil entspricht, hat keine Chance zu zeigen, was er kann. Mitdenken ist unerwünscht, denn Kreativität stellt die Position der Etablierten in Frage. Deren Augenmerk richtet sich viel lieber auf Indizes, die eine heile Welt vorspiegeln. Im sekundären Sektor werden nur solche Technologien gefördert, deren Anwendung, sofern sie überhaupt funktionieren, garantiert die Grenzen der Beherrschbarkeit überschreiten (entstehen so Marktlücken?). Und im tertiären Sektor sollen es die Billiglohnjobs richten.

Sowohl der fehlende Nachwuchs, als auch die fehlenden qualifizierten Arbeitsplätze im Dienstleistungs-Sektor, als auch der innovationsmüde Industriebesatz machen den Fortbestand der Sozialen Marktwirtschaft unwahrscheinlich. Das Danach bedeutet deshalb aber noch lange kein Zurück in den Frühkapitalismus (FDP), in den Obrigkeitsstaat (CDU) oder den Beginn einer fortwährenden Hungerkur (SPD/GRÜNE). Mit der Grundannahme 'Es gibt mehr Arbeit als Menschen' kann das Danach so entworfen werden, daß es kapitalistischen, kommunistischen und geographischen Ansprüchen genügt. Ich habe im WS 1994/95 eine entsprechende Theorie aufgestellt.

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3.1. Grundüberlegungen
wirtschaftliche Aktivität verursacht:
- gesellschaftlichen Gewinn
- gesellschaftlichen Verlust

gesellschaftlicher Vorteil durch:
a) möglichst hohe wirtschaftliche Aktivität
b) möglichst geringe gesellschaftliche Verluste

Möglichkeiten der Politik
für a) - industrielle Standortanforderungen erfüllen
       - Strukturpolitik (Branchenvielfalt, Fühlungsvorteile)
für b) - Verbote, Grenzwerte, Strafsteuern
       - kombinierte Steuererleichterung/-anhebung, Gesetzesverschärfung
für a) und b) Umbau zur Ökologischen Marktwirtschaft

3.2. Wirtschaftsformen
a) Frühkapitalismus:
   Gesellschaft stellt ohne Gegenleistung Ressourcen für Unternehmen
b) 'Zuckerbrot und Peitsche':
   staatliche verordnete Gegenleistung, Unternehmer keine Unmenschen
c) Soziale Marktwirtschaft:
   Soziales Netz des Staates, Gewerkschaften streiten für Gesellschaft
d) Ökologische Marktwirtschaft:
   Gesellschaft stellt Anforderungen und verändert Rahmenbedingungen,
   Fachverbände diskutieren mit Gesellschaft
e) Planwirtschaft:
   Gesellschaft übernimmt Innovationsverantwortung von Unternehmen,
   eigenständige wirtschaftliche Aktivitäten sind unerwünscht

3.3. Thesen zum Begriff 'Arbeit'
These 1: Arbeit ist die Gesamtzahl aller Tätigkeiten,
         die einem Unternehmer zum Profit verhelfen.
These 2: Arbeit umfasst alle gesellschaftlich nützlichen Aktivitäten

die Anwendung der These 2 ergibt gesellschaftliche Betätigungsfelder
- präindustriell Überliefertes
- Umsetzung der Bevölkerungsexplosion:      Massenproduktion
- Entstehung eines weltweiten Marktes:      Optimierung der Produktion
- Minimierung der Umweltschädigungen:       Umweltschutz
- Umsetzung menschlicher Erfordernisse:     Arbeit & Soziales
- Optimierung demokratischer Strukturen:    Politik & Recht
- Optimierung der Forschung:                Wissenschaft
- Förderung gesellschaftlicher Intelligenz: Kultur

die Anwendung der These 1 ergibt unternehmensabhängige Arbeitsplätze
- [ABER] die entstandenen Marktlücken werden nicht vollständig ausgefüllt
- [ZUDEM] wirtschaftliche Aktivität verursacht nicht nur Gewinn
- [DAHER] Zwang zum Wirtschaftswachtum oder zur Steigerung der Abgabenlast

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PROBLEME DER GEWERBLICHEN ENTWICKLUNG IN AGGLOMERATIONSRÄUMEN

1. Einleitung
1.1. Vorwort
2. Veränderte Ausgangsbedingungen für die wirtschaftliche Weiterentwicklung
2.1. Tendenz Unternehmen
2.2. Tendenz Wirtschaft
2.3. Tendenz Industrieraum
2.4. Tendenz Arbeit
2.5. Tendenz Ökumene
3. Handlungs- und Ermessensspielraum für die Politik
3.1. Grundüberlegungen
3.2. Wirtschaftsformen
3.3. Thesen zu Begriff 'Arbeit'
4. Handlungsempfehlungen für das Erreichen gesellschaftlicher Vorteile
4.1. Diskussion zur Optimierung der Standortfaktoren
4.2. Die Ökologische Marktwirtschaft
5. Kritische Betrachtungen zur Ökologischen Marktwirtschaft
5.1. Spielregeln
5.2. Finanzierungskonzept
5.3. Grundsätzliches
6. Auswirkungen der Ökologischen Marktwirtzschaft
6.1. Tendenz Unternehmen
6.2. Tendenz Wirtschaft
6.3. Tendenz Industrieraum
6.4. Tendenz Arbeit
6.5. Tendenz Ökumene

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