erstellt von Stefan Schill am 24. Juli 2003 (Schill.Stefan@t-online.de)

Paranoia?

Zur Zeit sind über 90 Prozent aller Mitarbeiter in den wissenschaftlichen Instituten Dualisten. Höchste Zeit für die Nicht-Dualisten zu handeln. Die Idee einer geheimen Verschwörung wäre jedoch eine dualistische Idee. Gleiches gilt für die Idee eines Feindbildes, welches unbedingt durch eine Ideologie bekämpft werden muss. Selbst die Angst vor einer weiteren feindlichen Übernahme entspräche dualistischem Denken und würde letztlich nur die Nicht-Dualisten lähmen, während sich die Dualisten erst richtig angespornt fühlen dürften.

    1. EBERHARD stellt fest, daß die Gehirnentwicklung bei Kleinkindern, die Geistentwicklung beim Menschen und die Reifung von Gesellschaften dieselben Phasen durchlaufen. Das dualistische Denken lässt sich somit in der Jugend lokalisieren.
    2. Passend dazu erzählt BOKUN die Geburt des Patriarchates. Demzufolge gab es ursprünglich eine natürliche Ordnung (Matriarchat), aus der pubertierende Jünglinge, die über die Strenge geschlagen hatten, ausgeschloßen wurden. Isoliert von der Gruppe veränderte sich ihre Psyche, sie schloßen sich zu Männerbünden zusammen und stellten dabei eine dualistische Ordnung auf.
    3. EVOLA, ein Faschist, behauptet gar, daß die Grundlage des Staates nicht in der Famile sondern im Befehlsprinzip eines Männerbundes zu suchen sei.

Die philosophische Zugehörigkeit zum Dualismus bzw. Nicht-Dualismus ist bereits bei HERAKLIT und PARMENIDES sichtbar. Während ersterer den Krieg als Vater aller Dinge ansieht, schildert letzterer seinen erotischen Aufstieg zur Göttin der Wahrheit und deren Kunde, daß es kein Nichts gäbe, sondern daß alles (auch das Fließen des HERAKLIT) eine Form des Seins sei.

Der Dualismus der Gegenwart geht jedoch auf KANT und PLATON zurück. Während PLATON die vergängliche Sinnenwelt von der bleibenden Geisteswelt abtrennt, scheidet KANT die Vernunft in ein Apriori und in ein Aposteriori. SCHOPENHAUER ordnet dem Apriori das Objektive, dem Aposteriori das Subjektive zu. FREUD braucht so nur noch das Unterbewusstsein in das Apriori legen, um beim Menschen an- bzw. wiedergeborene Ideen nachweisen zu können.

Daß es trotz Kybernetik (determistisches Chaos) und der Erforschung von Ökosystemen (Fließgleichgewichte) nicht schon längst zur Renaissance des Nicht-Dualismus gekommen ist, liegt am ‘wissenschaftlichen’ Diskurs der Sozialwissenschaften. Diese zensieren nämlich lieber, indem sie alle paar Jahre neue Fremdwörter erfinden, an denen sie vorgeben, die Wissenschaftlichkeit der Beiträge ablesen zu können, anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie denn nun die Evolution konkret stattfinde und gegenständlich zu erforschen sei.

Otto Normal spürt diesen Betrug, kann ihn aber nicht formulieren, da es ihm an Bildung mangelt. So bleibt nur die Möglichkeit, nach eigenem Gutdünken die ‘wissenschaftliche’ Rhetorik provokant auszuloten, um den darin versteckten Dualismus begreiflich und überwindbar zu machen. In der Antike hat Jesus versucht, die Menschen aus der Sklavenherrschaft des Männerbundes zu befreien, in der Moderne waren das die autodidaktischen Künstler. So sind die Evangelien etwas total anderes als der römische Skeptizismus (Stoa/Epikur). Die Pop-Kultur ist etwas total anderes als die E- und U- Kultur.

Die Zeitungen spielen die Schlüßelrolle in der Erzeugung und Verbreitung von Angst. Zwar lässt sich nur der ahnungslose Leser durch einen Leitartikel soweit einschüchtern, daß seine Meinung die falsche und die des Autoren die richtige sei, indirekt ist aber jeder Zeitungsleser davon abhängig, was ihm als Meldung vorgesetzt bzw. vorenthalten wird und welche political correctness einem journalistischen Berichte zu Grunde liegt.

Auf Ängste aller Art, ob angeboren oder künstlich aufgebauscht, setzt die Reklame. Sie gaukelt eine Scheinwelt vor, in welcher die Ohnmächtigen am glücklichsten leben. Sie definiert die Freiheit (praxis) nicht im Sinne von selbstbestimmt, selbstgenügend und geistreich sondern als bloßes Funktionieren im Sinne der Obrigkeit.

Die Einteilung in gutes und böses Verhalten ist dabei ein propagandistischer Kunstgriff, um von den eigentlichen Problemen, vor denen man tatsächlich Angst haben muss, abzulenken. Als Verursacher kommt so nämlich niemals das eigene Unvermögen in Frage, sondern die Schuld am Ungemach trägt immer das Böse.

Die Philosophie lehrt, daß Denken und Sein dasselbe sind. Wer denkt und bereit ist, sein Denken zu diskutieren, handelt bereits nicht-dualistisch und wird (egal, ob gut oder böse) wissenschaftlich mehr bewirken als ein hektischer Trittbrettfahrer, der dem gängigen Paradigma als erster nach dem Mund reden möchte.