Autor: Stefan Schill, erstellt am 29. März 2013 (Schill.Stefan@t-online.de)

Jorge Bergoglio hat kurz vor seiner Wahl zum Papst FRANZISKUS I eine Rede gehalten

Radio Vatikan bietet eine nicht autorisierte Übersetzung auf Englisch
(das spanische Originalfaksimile ist mir nicht bekannt)
ich habe den Text sinngemäß ins Deutsche übersetzt

JORGE BERGOGLIO (im März 2013)

DAS EVANGELIUM WILL BEGEISTERT VERKÜNDET WERDEN


1. Der Vorgang der Evangelisation unterstellt,

daß in der Kirche der Wunsch nach Aufbruch vorhanden ist.
Die Kirche ist dazu berufen,
aus sich herauszugehen und sich über den Tellerrand zu wagen,
nicht nur über geographische Grenzen hinweg,
sondern auch in die existenziellen Grenzerfahrungen hinein:

der Lockruf der Sünde, das Quälen, das Ungerechtsein,
die Verachtung und die Gleichgültigkeit gegenüber der Religion, das Hängen an -ismen und das Schwarzsehen

2. Falls dies nicht der Fall ist,

beschäftigt sich die Kirche nur mit sich selbst
und wird schließlich krank.
Die Verbrechen, die im Laufe der Zeit durch kirchliche Aktivitäten geschehen sind, gründen in eben dieser Eigenbrötlerei und Selbstverliebtheit.

In der Offenbarung sagt Jesus, daß er am Tor stehe und klopfe.
Damit ist zwar das Klopfen von außen gemeint,
aber ich denke dabei auch an das Klopfen von innen,
auf daß er schlüpfen und in die Welt kommen kann.

Eine mit sich selbst beschäftigte Kirche
behält Jesus für sich und teilt ihn der Welt nicht mit.

3. Solange die Kirche mit sich selbst beschäftigt ist,

wird sie sich in ihr eigenes Licht stellen
und nicht mehr in dasjenige des Mondes (= Matriarchat).

Damit ebnet sie den Weg für das gefährlichste Übel,
das eines verweltlichten Geistes,
der nur zur Übertragung bereits verblichenen Ruhmes
auf andere in der Lage ist.

Die Kirche muss sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten entscheiden:

  • Zum einem eine Kirche, die aus sich herausgeht, dem Wort Gottes lauscht und dieses ergeben verbreitet.
  • Zum anderen eine weltliche Kirche, die einfach nur zu überleben versucht.
Das eben Gesagte sollte Licht auf die anstehenden Veränderungen und Reformen werfen, welche zum Wohle unseres Seelenheils notwendig sind.

4. Gedanken zum nächsten Papst:

Er sollte ein besonnener Mann wie Jesus sein,
der die Kirche aus ihrer selbst gewählten Isolation befreit
und aus ihr wieder diejenige Muttergottheit macht,
welche ihre Fruchtbarkeit durch die Evangelisation erhält.